11 Jahre - Wasserkraftanlage Halle - Planena (Saale)


Fischabstiegsanlage

An der Wasserkraftanlage Planena ist ein Leitrechen-Bypass-System nach Ebel, Gluch & Kehl (2001) installiert.

Das der Sohle senkrecht aufstehende, durch horizontale Stabelemente gebildete Rechenfeld, wird in einem horizontalen Winkel schräg angeströmt. Die ingenieurbiologische Auslegung von Anströmwinkel und Anströmgeschwindigkeit erfolgte entsprechend den einschlägigen Bemessungsvorgaben. Die lichte Stabweite des Rechens wurde gemäß den zum Planungs- bzw. Genehmigungszeitpunkt maßgebenden Rechtsvorschriften mit 20 mm gewählt. Um die biologische Leitwirkung des Rechens zu verbessern und die Weitergabe von Geschiebe in das Unterwasser zu fördern, wurde das Rechenfeld mit einer Sohlleitwand kombiniert. Der Rechen bildet eine Funktionseinheit mit einem schachtartigen Bypass, der sowohl die Passage von Fischen als auch die Weiterleitung von Geschiebe in das Unterwasser ermöglicht.

Das Eintrittsprofil des 1,0 m breiten Bypasses befindet sich am unterstromigen Ende des Rechenfeldes und erfasst die gesamte 4,03 m hohe Oberwassersäule. Zur Abminderung von Fließgeschwindigkeit, Durchfluss, Turbulenz und Scherbelastung wurden im Bypassschacht spezielle Kontrollbauwerke vorgesehen. Hierbei handelt es sich um eine Klappe mit vertikaler Drehachse (Türflügelprinzip) sowie um ein unterhalb hiervon angeordnetes Überfallwehr. Die im oberen Teil des Gerinnes angeordnete Klappe erzeugt durch Einengung der durchströmten Profilbreite eine Schlitzstruktur, die durch eine Teilverblendung in zwei fensterartige Öffnungen untergliedert wird. Diese Öffnungen erfassen sowohl den oberflächennahen als auch den sohlnahen Bereich der Wassersäule und werden mit einer Wassermenge von insgesamt 1,0 m³/s kontinuierlich beaufschlagt. Im normalen Betriebszustand stehen für die Fischabwanderung ausschließlich die Abstiegsöffnungen zur Verfügung. Bei Spülvorgängen und Hochwasserereignissen öffnet die Klappe vollständig und gibt den gesamten Querschnitt des Bypasses frei.

Die Planung des Systems erfolgte im Jahr 2001 und die Inbetriebnahme im Jahr 2006. Nach der Inbetriebnahme wurden die Nutzungsfrequenz des Bypasses mit einer speziellen Fangvorrichtung über einen 28-tägigen Zeitraum (mehrere Kontrollphasen) durch den Sachverständigen Dr. Guntram Ebel (BGF) untersucht. Hierbei konnte für 2.057 Individuen aus 23 Arten eine Passage des Bypasses nachgewiesen werden. Weiterführende Analysen zur Optimierung des Leitrechen-Bypass-Systems werden derzeit durchgeführt.


Ausführliche Informationen zur ingenieurbiologischen Auslegung von Fischabstiegsanlagen enthält die Buchveröffentlichung von EBEL (2013): "Fischschutz und Fischabstieg an Wasserkraftanlagen - Handbuch Rechen- und Bypasssysteme".

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Fischaufstiegsanlage


Die als Schlitzpass ausgeführte Fischaufstiegsanlage wird durch insgesamt 15 Becken mit einer Länge von jeweils 3,0 m sowie durch ein Vor- und ein Nachbecken gebildet. Um eine bessere Auffindbarkeit für flussaufwärtswandernde Fische zu ermöglichen, wurde die Anlage mit zwei Einstiegen ausgestattet. Durch eine zusätzliche, unter der Aufstiegsanlage verlegte Rohrleitung wird eine ausreichende Beaufschlagung der Einstiege gewährleistet.

Die Planung der Anlage erfolgte im Jahr 2001 und die Inbetriebnahme im Jahr 2006. Die ausgeführte Anlage wurde mittels Kontrollreuse hinsichtlich ihrer biologischen Funktionsfähigkeit durch den Sachverständigen Dr. Guntram Ebel (BGF) untersucht. Im 48-tägigen Kontrollzeitraum passierten insgesamt 7.736 Fische aus 15 Arten die Fischaufstiegsanlage.


ökologische Verbesserung gemäß EEG 2009

Zusätzlich zur Fischaufstiegsanlage direkt am Kraftwerk, wurde zur Anbindung von Stillgewässern (alter Saalearm) im Februar 2010 eine 2. Fischaufstiegsanlage errrichtet.

Diese besteht aus 12 Becken.

Zur Kostenreduzierung wurden Standart-Betonfertigteile in T- und L-Ausführung eingebaut.

Die Sohle und Böschung wurde naturnah mit Steinschüttungen gestaltet.


Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen

Zur Vermeidung und Verminderung sowie zum Ausgleich und Ersatz von ökologischen Beeinträchtigungen wurden im Rahmen des Wasserkraftvorhabens folgende Maßnahmen umgesetzt:

• Errichtung Fischaufstiegsanlage (siehe oben)
• Errichtung Fischabstiegsanlage (siehe oben)
• Pflanzung von 200 Stück Obstbäumen (Pflaume, Apfel, Kirsche)
• Pflanzung von 80 Stück einheimischen Laubbäumen
• Pflanzung von 1000 Stück Bodendeckern
• Ansaat von 2500 m² Rasen


CO2-Einsparung

Die Wasserkraftanlage Planena erzeugt ca. 6,1 Mio. kWh/Jahr Strom. Im Vergleich zur Stromerzeugung aus Braunkohle (Emission ca. 1114 g CO²/kWh) wird die Umwelt durch die Wasserkraftanlage um etwa 6.570 Tonnen Kohlendioxid (CO²) pro Jahr entlastet.